Weintipp von Fabian Lange

An diser Stelle mein ganz persönlicher Weintipp: Selektierte Weine, die wohltuend aus der Masse ragen, darunter vor allem bezahlbare Alltagsware, die es wert ist, probiert zu werden. Also zuschlagen und als Vorrat bunkern! Denn nur wer Wein zu Hause hat, kann unabhängige Entscheidungen treffen. Die Tipps basieren auf meinen persönlichen Vorlieben, und ist keine bezahlte Werbung, sondern als Service für alle Weinfreunde gedacht.


Schuften bis zum Umfallen

Weingut Johann Peter Mertes, Kanzem/Saar

Die Weinwelt ist so ungerecht! Würden die besten Lagen der Saar im Burgund liegen, müssten wir verdammt tief in die Tasche greifen. Unter vierzig Euro läuft im Burgund nichts für Weine aus Spitzenlagen. An der Saar aber, wo die Weinberge extrem schroff und steil sind, ist das totale Weinvergnügen noch bezahlbar. Verrückte Weinwelt! Johann-Peter Mertes schuftet bis zum Umfallen und bringt seine Glücks-Botenstoffe für knapp neun Euro unters Volk. Und was für Stoff dieses nahezu unbekannte Winzergenie aus den kargen Böden seiner Steillagen presst! Als erstes die trockene Spätlese aus dem Kanzemer Altenberg. Von der haben Sie natürlich noch nie etwas gehört? Das sollten Sie aber! Denn hier wächst die Creme de la Creme an der Saar: Hundertprozent nach Süden orientiert, extrem steil, purer Schiefer. Punkt. Besser geht’s nicht. Grapefruit und Apfelduft verströmt der Mertes-Lockstoff für die Nase. Auf der Zunge tanzt der Wundersaft dann einen Quickstep und zeigt Kräuter, feine Fruchtsäure und mündet in ein druckvolles, staubtrockenes, mineralisches Finale.

„Vor Mitte Oktober gehe ich nicht in den Altenberg zur Weinlese“, kommentiert Johann-Peter Mertes seine Strategie. 150 Tage, das ist der Grund für die Würze seiner Wein, so lange wie an der Saar darf kaum eine Weintraube reifen. Sein „Altenberg Alte Rieslingreben, trocken“ ballert nur so um sich mit nassen Steinen, Mirabellen und dem Duft von reifen Birnen. Wow, was für ein Feuer! Und doch weich, fast cremig streichelt er die Papillen aufs Wonnigste, um sich mit einem mineralischen Gruß am Zäpfchen zu verabschieden. Und schmeckt und schmeckt und schmeckt. Alte Reben? Bei Mertes haben sie sechzig Jahre auf dem Zähler und stehen in einer besonders steilen Parzelle mit 60 Prozent Hangneigung. Reine Handarbeit ist ein Muss und die lächerlichen 2.000 Flaschen, die es von diesem Aphrodisiakum gibt, danken es mit einzigartiger Aromenfülle, denn alte Reben haben tiefe Wurzeln und holen besonders viel Mineralien ans Tageslicht. So auch beim dritten Wein im Bunde, dem „Sank – Alte Rieslingreben, feinherb“: Reife Aprikosen duften aus dem Glas und im Mund entfaltet er betörende Fülle, die von einer feinen Rieslingsäure an den Gaumen gekickt wird. So was bringen nur alte Jungs, die winzige, hochkonzentrierte Träubchen tragen – in der Parzelle „Sank“ feiern sie bald ihren Fünfzigsten. Darauf muss man anstoßen, finden wir. Womit wohl?

Heiße Tipps:

  • 2007 Riesling Kanzemer Altenberg Spätlese, trocken 8,40 €
  • 2007 Riesling Kanzemer Altenberg „Alte Reben“, trocken 8,90 €
  • 2007 Riesling „Sank Alte Reben“ feinherb 8,90 €

Inklusive Verpackung und Versand 30,70 €

Bezug
Weingut Johann Peter Mertes
Kirchstrasse 19
D -54441 Kanzem/Saar
Telefon: 06501 / 17163

Weingut Johann Peter Mertes www.weingut-mertes.de
Weingut Johann Peter Mertes www.weingut-mertes.de


Ein scharfes Teil...

Kaum zu glauben...

Nebenerwerbswinzer. Normalerweise verbirgt sich hinter diesem Wort eine hobbymäßige Beschäftigung mit dem Thema Wein. Das kann man von Helmut Scholl aus dem Rheinhessischen Bornheim nun nicht gerade sagen. Der ist zwar im Hauptberuf Sportwissenschaftler an der Universität Mainz, hat aber so “nebenher” volle sechs Hektar Rebflächen unter seinen Fittichen. Puuh! Wie er das schafft, kann ich kaum glauben – vor allem wenn man seinen Weinen begegnet. Die stellen so manches in den Schatten, was seine Winzerkollegen so hauptberuflich fabrizieren…

  • Bei seinem 2004er Cabernet Sauvignon bin ich schon ins Schwärmen gekommen und habe ihn zusammen mit meinem Bruder für die Ökotest-Kolumne ausgesucht. Nun hat der gute Mann im Jahr 2007 nachgelegt und einen Cabernet an den Start gebracht, der sich so wunderbar trinken lässt, dass ich kopfschüttelnd darüber nachdenke, warum ich sowas selten aus Südfrankreich bekomme. Voller Cassisfrucht, ohne lästiges Holz, fein gereift, nicht zu dicht, dabei keinerlei grüne Paprika in der Nase, sondern Schoko und Pfeffer. Tja… Und das soll es für unter 7,- € geben???
  • Und wo wir gerade dabei sind: Der 2007er Chardonnay hat’s auch in sich! In seinen Basiswein (eine trockene Spätlese) hat er den Inhalt eines ganzen Barriques versenkt, um den Wein geschmacklich abzurunden. Ich bin begeistert! Fein ausgewogen, niemals breit oder langweilig, sondern mit subtilen Barique-Aromen untermalt, macht der so richtig Spaß! Gibt’s auch für um die 7,- €. (nagelt mich jetzt aber nicht auf den genauen Preis fest, am besten nachfragen).

So schmeckt Whow!

Als Pinot Grigio hat sich der Grauburgunder ja nicht gerade mit Ruhm bekleckert – vor allem wenn es sich um das bitter-saure Zeug aus dem Supermarkt oder beim Italiener um die Ecke handelt. Für mich gehört es zu den wirklich rätselhaften Kulturphänomenen unserer Zeit, dass sich dieses Gesöff bei den Weinfreunden überhaupt hat breit machen können (Das haben wir der Schwabinger Schickeria zu verdanken! In ihrer grenzenlosen Italomanie huldigen diese Kultur- und Klimaflüchtlige ganz offensichtlich allem, was nur irgendwie italienisch klingt. Auf einer Weinpräsentation von Brunellos im Bayrischen Hof in München durfte ich miterleben, wie eine Besucherin mit dem vermeintlichen Weingutsbesitzer in redebrechendem Italienisch dillettierte, obwohl der arme Mann mit einem unüberhörbar niederbayerischen Akzent scher zu kämpfen hatte…). Die tiefschürfende Analyse der Pinot-Grigio-Welle, dieser Stilblüte des ausgehenden 20. Jahrhunderts, werden wir wohl späteren Generationen überlassen müssen.

Jedenfalls gibt es viele gute Gründe, Grauburgunder zu genießen! Er ist ein Universalgenie, das immer zu jeder Speise passt! Grauburgunder ist einfach perfekt wenn es darum geht, schwierige kulinarische Gleichungen zu lösen. Aus genau diesem Grund hat dieser Wein auch einen festen Stammplatz in meinem Keller und ich rate Jedem und Jeder, sich davon ein Vielfaches von 6 Flaschen einzulagern.

Alte Jungs I

  • Der Stoff vom Weingut Weegmüller aus der Pfalz ist für diesen Zweck ein Muss! Die lebensfrohe Kellermeisterin Stefanie Weegmüller ist genau die Frau, die diesen Kraftprotz bändigen kann. In ihr hat der Grauburgunder seine Meisterin gefunden. Mit Wucht schlägt der ausladende, voll mit reifen Früchten getankte Wein ans Zäpfchen und hallt so lange nach, dass es einen fast schon aus den Socken haut!

  • 2006 Haardter Herrenletten, Grauer Burgunder, trocken “Alte Reben” Bestell-Nr. F0617 S, ca. 9,50 €

Alte Jungs II

  • Für mich gibt es in Deutschland keinen besseren: Der trockene Gewürztraminer “Alte Reben” aus dem Haardter Bürgergarten ist einfach eine Wucht! Ausladend, barock und dabei ungeheuer elegant kommt er daher. Stefanie Weegmüller gelingt das Kunststück, auch der Diva Gewürztraminer einerseits die Kraft zu lassen und gleichzeitig feine Gefälligkeit ins Glas zu zaubern.

Zaubern, das ist das treffende Stichwort, um diesen Wein zu beschreiben: Ein exotisch-zauberhafter Duft nach Rosen und Litschi, ein zauberhaftes Aufblühen im Mund und auch seine enorme Fülle mit der er sich in Mund und Nase hält, grenzt an Zauberei. Zu ausdruckstarken Käsen (Munster, Ziegenfrischkäse) ist er perfekt, wie zu Gerichten mit orientalischen Gewürzen wie Curry, Zitronengras oder auch Kokos und Früchten in Hauptspeisen rund um Ananas, Aprikosen, Litschis…

  • 2006 Haardter Bürgergarten Gewürztraminer, trocken “Alte Reben” Bestell-Nr. F 0611, ca. 9,- €

Are you ready?

Seid ihr echte Pinot-Typen? Das hier ist der richtige Stoff für feinsinnige Alltagstrinker, die sich die besten Flaschen nicht bis zum Sanktnimmerleinstag bunkern, sondern sich nicht scheuen, auch Montags eine Flasche zu köpfen! Und sich nicht mit irgendeinem dunklen Fusel zufrieden geben – Hauptsache er ist rot.
Nein, Salweys Spätburgunder von den Lösslehmböden des Käslebergs ist genau das Richtige für düstere Tage, an denen einem nur ein Glas mit den richtigen Vibes hilft. Also das was Pinot, pardon Spätburgunder, ins Glas zaubert. Ach, und dazu ein cremiger Chaource, oder ein sanft gewürztes Lammcurry! Ich persönlich liebe die Rotweine der Salweys, sie sind zärtlich und dabei kraftvoll, sie durchströmen mich wie eine ferne Melodie. Und sie machen glücklich.

  • 2006 Spätburgunder “Käsleberg” 9,70 € Best-Nr. 29-06

Lass die Korken knallen!

Und wo wir dabei sind: den richtigen Rumms als Begleitmusik zum kommenden Jahreswechsel gibt der Salwey-Sekt 2002 Pinot Brut ab (selbstverständlich klassische Flaschengärung – Jahrgangssekt nach dem Champagnerverfahren mit mehr als 3 Jahren Hefelager!!!). Das ist richtig guter Stoff.

Dank seiner Basisweine, weißgekelterten Spätburgundertrauben, ist er ideal als Aperitf (gezügelte Säure, fein und elegant, passt auch zum Essen: geräucherter Lachs, Mousse von geräucherter Forelle). Im Glas breitet er sein feinperliges Mousseux aus und ist mit seiner feinen Frucht auch nach dem Essen ein echter Bringer!

  • 2002 Pinot Brut Sekt (Champagnerverfahren) Bestnr. 150-02

It's a Zin!

Ende Oktober war ich in Kalifornien unterwegs. Ein Heiß-Kalt-Bad zwischen Erstaunen, Entsetzen und natürlich auch Begeisterung (In der Zeit kommt demnächst ein Bericht über die Reise; ich melde mich wenn es so weit ist). Zwischen all den vielen fragwürdigen, überdimensionierten und schwerfälligen Monsterweinen waren auch ein paar hinreißende Entdeckungen, die ich kaum für möglich gehalten hätte. Es gibt sie tatsächlich, die guten Amerikaner – auch als Winzer! Paul Draper vom Weingut RIDGE zählt ohne Frage dazu. Er macht aus Kaliforniens wichtigster (und unterschätzter) Sorte Zinfandel wirklich enorme, liebenswürdige, europäisch-faszinierende Rotweine. Die gibts bei der Weinhalle in Nürnberg zu ordern.

Okay, die kosten zwar 27,90 Euro die Pulle, sind aber auch auch jeden einzelnen Cent Wert.
Sein “Lytton Springs” zum Beispiel entsteht aus Trauben von über einhundert(!) Jahre alten Rebstöcken, die im Mischsatz wachsen, so wie der Herrgott – pardon – die Winzer sie damals gepflanzt haben. Einzigartiger Stoff, perfekter Rotwein, der so gar nichts mit dem zu tun hat, was bei uns so als Zinfandel kursiert: ein eleganter, feiner, perfekt ausgependelter Wein, der unglaublichen Trinkspaß bereitet. Ich kann jedem nur diese Lektion in Sachen Wein empfehlen – auch um seine Vorurteile mal auf den Kopf zu stellen.

Ohne große Übertreibung kann ich sagen, der RIDGE ist einer der besten Rotweine, die ich in der Vergangenheit getrunken habe. Feinsinnige Frucht, durchdringende Kraft, kühle Eleganz und eine wahnsinnige Milage*.

*__Milage: Erinnerungsleistung von Wein__

  • 2003 RIDGE, Zinfandel, Bezug über www.weinhalle.de: Bestnr. CAL03601, ca. 27,90 €

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